Behandlung für den Mann

Mann und Kinderwunsch

Ein Kinderwunsch wird zu oft nur auf die Frau bezogen und der Mann bleibt außen vor, er wird nur ungenügend oder nicht berücksichtigt.

Dabei liegt die Ursache bei über der Hälfte der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch auch auf Seiten des Mannes (oft Ursachen bei Mann und Frau). Trotzdem steuern viele Paare zunächst ein sog. Kinderwunschzentrum an, das von Frauenärzten (Gynäkologen) betrieben wird. Diese sog. Kinderwunschzentren sind in der Öffentlichkeit und den Medien sehr präsent, so daß viele betroffene Paare gar nicht auf die Idee kommen, ein Zentrum für Männermedizin aufzusuchen, sondern eben bei den Frauenärzten landen.

Jedoch gibt es spezialisierte Männerärzte (Andrologen), die sich mit den Problemen des Mannes beim Kinderwunsch sehr gut auskennen und diese behandeln können.

Nicht jeder Arzt, der sich „Männerarzt“ nennt oder als Schwerpunkt Männermedizin angibt, ist wirklich ein Androloge. Androloge darf sich nur der nennen, der eine entsprechende Ausbildung vorweisen kann und durch eine Prüfung bei der Ärztekammer seine Qualifikation bescheinigt bekommen hat.

Wenn ein Paar von einem unerfüllten Kinderwunsch betroffen ist und noch nicht untersucht worden ist, ob die Ursache dafür beim Mann oder bei beiden liegt, sollte der Mann unbedingt einen Andrologen aufsuchen (Andrologie Centrum München) und sich untersuchen und beraten lassen.

Es gibt viele mögliche Ursachen für Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern, wovon einige wichtige im Folgenden aufgeführt sind:

Zuvor erfolgte Sterilisation wegen vermeintlich abgeschlossenem Kinderwunsch

Krampfader am Hoden (Varikozele)

Früher durchgemachte Tumorerkrankung mit Strahlentherapie oder Chemotherapie

Hodenhochstand in der Jugend (behandelt oder auch nicht behandelt)

Durchgemachte Entzündungen an Geschlechtsorganen

Angeborene, zum Teil genetisch verursachte Störungen der Zeugungsfähigkeit

Das Problem in vielen sog. Kinderwunschzentren liegt darin, daß dort den ratsuchenden Paaren fast immer vorschnell eine künstliche Befruchtung empfohlen wird, ohne die Ursachen beim Mann zu untersuchen. Damit wird dem Paar möglicherweise die Chance genommen, ein Kind auf natürlichem Weg ohne künstliche Befruchtung zu bekommen. Denn wenn eine Ursache für die Störung der Zeugungsfähigkeit beim Mann erkannt wird, kann sie oft anders als mit künstlicher Befruchtung behandelt werden (Fruchtbarkeitsstörungen).

Ein typisches Beispiel, wo eine künstliche Befruchtung nicht erforderlich ist, liegt beim sterilisierten Mann vor. Wenn ein Mann früher Kinder gezeugt und sich dann wegen vermeintlich abgeschlossener Familienplanung hat sterilisieren lassen und später mit einer neuen Partnerin wieder Kinderwunsch hat, kann man die Sterilisation an speziellen Zentren (Andrologie Centrum München) rückgängig machen und die Wahrscheinlichkeit für eine natürliche Zeugungsfähigkeit ist mindestens so hoch wie bei einer künstlichen Befruchtung.

Ein anderes Beispiel ist eine Hodenkrampfader (Varikozele), die bei 10 – 15 % aller Männer vorliegt und die die Fruchtbarkeit negativ beeinträchtigen kann. Männer mit unerfülltem Kinderwunsch leiden mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 40 % an einer Varikozele. Durch die Behandlung einer Hodenkrampfader kann der Mann wieder normal zeugungsfähig werden.

Eine Krampfader am Hoden kann durch eine Verödung in örtlicher Betäubung ambulant oder durch eine mikrochirurgische Operation in kurzer Narkose behandelt werden. Dadurch kann es zu einer deutlichen Verbesserung der Fruchtbarkeit des Mannes und damit natürlicher Zeugungsfähigkeit kommen.

Weitere Beispiele sind verschiedene Formen von Spermienproduktionsstörungen, wo man den Mann mit Medikamenten erfolgreich behandeln kann.

Der Grund, weshalb von einer vorschnellen Entscheidung zu einer künstlichen Befruchtung abzuraten ist, sind die Belastung der Frau durch die künstliche Befruchtung und die hohen Kosten für die künstliche Befruchtung. Die künstliche Befruchtung heißt intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) und bedeutet die Befruchtung von weiblichen Eizellen mit Spermien des Mannes außerhalb des Körpers unter dem Mikroskop mit nachfolgendem Einsetzen der durch Teilung entstandenen Embryonen in die Gebärmutter der Frau. Jedoch stellt dieses Verfahren eine große Belastung für die Frau dar, die die künstliche Befruchtung über sich ergehen lassen muß. Denn es muß eine Hormonbehandlung durchgeführt werden, die zwar individuell als unterschiedlich belastend empfunden wird, aber immer handelt es sich um eine schwerwiegende Manipulation des weiblichen Hormonhaushaltes. Die damit verbunden Risiken können Zystenbildungen an den Eierstöcken, Wasserbildung im Bauchraum, Ödeme, Thrombosen, Embolien und vieles mehr sein. Auch der Eingriff der Eizellentnahme mit der damit verbundenen Betäubung oder Narkose ist belastend und kann zu Komplikationen führen. Dem Kinderwunsch könne auch Potenzmittel nachhelfen. Wenn sich ein Paar mit Kinderwunsch nach einer zuvor erfolgten Sterilisation des Mannes für den Weg der künstlichen Befruchtung entscheidet, kommt es zur Verlagerung des Problems von „Problemträger sterilisierter Mann“ auf die gesunde Frau, weil der Mann nur den Eingriff der Spermienentnahme (Hodenbiopsie) in örtlicher Betäubung über sich ergehen lassen muss, die Frau aber die gesamte Belastung der künstlichen Befruchtung tragen muß, obwohl sie gesund ist und kein Fruchtbarkeitsproblem hat.

Meist werden bei der künstlichen Befruchtung zur Erzielung einer möglichst hohen Erfolgsrate zwei Embryonen übertragen, woraus ein Zwillingsrisiko von ca. 20 % resultiert. Aber jede Zwillingsschwangerschaft, die unter natürlichen Bedingungen mit einer Wahrscheinlichkeit von nur 1 % auftritt, gilt als Risikoschwangerschaft. Leider zeigt die Erfahrung, daß viele Gynäkologen in den sog. Kinderwunschzentren die Paare nicht ausreichend über die Möglichkeit der Rückgängigmachung einer Sterilisation aufklären, sondern nur einseitig informieren und nur die künstliche Befruchtung empfehlen (aus eigenem Interesse) obwohl diese eine erhebliche Belastung für die Frau darstellt und wesentlich teurer ist als die Rückgängigmachung der Sterilisation.

Die o. g. Beispiele zeigen die Möglichkeiten der Behandlung des Mannes durch einen spezialisierten Andrologen auf, um so der Frau eine künstliche Befruchtung zu ersparen. Vielen Paaren ist durch eine Behandlung beim Andrologen schon eine künstliche Befruchtung erspart worden, vor allem die Belastung für die Frau durch die Hormonbehandlung und die verschiedenen Eingriffe und außerdem war die Behandlung wesentlich preiswerter als die teure künstliche Befruchtung, bei der nur die Hälfte der Kosten der gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Wenn ein Mann sterilisiert ist und hat erneut Kinderwunsch mit einer neuen Partnerin, muß er die künstliche Befruchtung komplett alleine zahlen, weil in diesem Fall weder gesetzliche noch private Krankenkassen einen Beitrag leisten.